Bericht von September/Oktober 2012

Von Claudia Lama

Da es aufgrund des nicht zu umgehenden Gepäcklimits leider nicht möglich war Medikamente und Verbandsmaterial in größerem Umfang von Österreich mitzunehmen, mussten wir uns auf die notwendigsten medizinischen Geräte wie Stethoskope, Otoskop, Blutdruck- und Blutzucker-Messgerät beschränken und unser Projekt somit in Kathmandu mit dem Kauf von Medikamenten starten.

 

Wir beschränkten uns auf das Notwendigste, hatten am Ende dann aber doch eine recht reichhaltige Palette an gängigen Antibiotika, Antihelmetika und Schmerzmitteln - soweit möglich auch in Form eines Sirups für unsere kleinen Patienten - sowie diverses Verbandsmaterial, Augentropfen und Infusionen mit auf dem Weg.

Bereits am ersten Tag unserer Wanderung ins Tsum-Tal begegneten wir einigen Patienten, welche vor allem an Schmerzen aufgrund massiv geschwollener Gelenke litten oder sich mit ausgeprägten Augenentzündungen präsentierten. Ein Patient wurde uns nach Schlangenbiss, ein weiterer mit einem gebrochenen Arm vorgestellt.

 

Außerdem holten uns am Weg Eltern zu Hilfe für ihr deutlich dystrophes (a.d.R.: mangelernährtes) einjähriges Kind, welches klinisch an einer ausgeprägten Lungenentzündung und wohl auch Sepsis (a.d.R.: Blutvergiftung) litt, bereits seit 10 Tagen krank war und nicht mehr gegessen und getrunken hatte. Dieser Familie war es unmöglich ins nächstgelegene Krankenhaus nach Arugat zu gelangen – eine Tatsache, die wohl viele Bewohner des dadurch zumindest medizinisch sehr abgeschiedenen Tsum-Tals betrifft. Leider mussten wir auch feststellen, dass es zwar in mehreren Dörfern sogenannte „Health-Posts“ gibt, diese aber nicht adäquat betreut sind und man nur Reste von Medikamenten und Verbandsmaterial vorfindet.

 

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In Chejkumpar angekommen richteten wir zunächst unsere kleine „Praxis“ in einem der Schulräume ein, während unsere Träger es zum Glück schafften, den Brunnen wieder in Gang zu bekommen, sodass uns wie sonst in dem Dorf nicht selbstverständlich Fließwasser zu Verfügung stand.

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Dass wir angekommen waren, hatte sich wohl sehr schnell herumgesprochen – bereits am nächsten morgen hatten wir einen sehr regen Patientenansturm.

 

Zu den Hauptbeschwerden zählten sicherlich Gelenksschmerzen aufgrund einer Arthritis oder Arthrose, wohl eine Folge des täglichen Tragens schwerer Lasten. Zudem wurden sehr viele Patienten aufgrund von Beschwerden einer Gastritis (a.d.R.: Magenschleimhautentzündung) oder anderer gastrointestinaler Probleme vorstellig, oft in Zusammenhang mit Wurmbefall oder Magen-Darminfekten mit beginnender Dehydratation (a.d.R: Austrockung). Außerdem gehörten - zum Teil auch schwere - Wundinfektionen, unter anderem im Gesicht eines kleinen Kindes zu den typischen Krankheitsbildern. Neben Infektionen der oberen Atemwege und Bronchitiden behandelten wir zudem einige Hautekzeme.

 

Einige, meist ältere Patienten, hatten eine deutliche Hypertonie (a.d.R.: Bluthochdruck). Einzelne dieser Patienten hatten bereits eine antihypertensive Therapie während eines Krankenhausaufenthalts in Arugat verordnet bekommen. Auch wenn eine Blutdruckkontrolle an den Health-Posts durchgeführt werden kann – die notwendige Fortsetzung der Medikation ist jedoch nicht möglich, da es im gesamten Tsum-Tal keine Versorgung mit Blutdruckmedikamenten gibt. 

 

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Eine große Anzahl älterer Patienten stellte sich uns mit entzündeten Augen sowie Sehstörungen vor. Wir konnten zwar jene Patienten mit Entzündungen relativ gut mit dementsprechenden Augentropfen versorgen, leider aber leiden wohl auch viele Leute an Katarakt (a.d.R.: grauer Star) oder eben eingeschränkter Sehfähigkeit – soweit das als Nicht-Augenarzt beurteilbar ist. Diesen Tsum-Bewohnern – und es waren nicht wenige, da sie natürlich auch aus den benachbarten Dörfern zu uns kamen – wäre sicher durch professionelle Hilfe durch einen Augenarzt, eventuell sogar mit tagesklinischen Kataraktoperationen (soweit dies ohne sterile OP-Verhältnisse möglich ist), sehr geholfen.

 

Ein mit gut ausgebildetem Personal regelmäßig besetzter Health-Post, wo die Leute auch aus den Nachbardörfern in Notfällen, aber auch zum Beispiel für Impfungen und Wurmkuren hinkommen können und kostenlos Beratung und Medikamente erhalten, wäre natürlich für die gesamte Region sehr wünschenswert. Zum Beispiel haben einige junge Frauen, welche bereits Mütter von sieben oder acht Kindern sind, angedeutet, dass Familienplanung doch auch ein Anliegen ist.

 

Um den Bewohnern des Tsum-Tals eine möglichst breite medizinische Versorgung zukommen zu lassen, ist meiner Meinung nach überhaupt nicht abzulehnen, dass auch das jahrhundertealte Wissen der Einheimischen über alternative und tibetische Medizin mit einfließen sollte.

 

Ein sehr offensichtlicher und vielleicht auch relativ einfacher und kostengünstiger Ansatz medizinischer Hilfe liegt sicher in Hygienemaßnahmen. Während die Dörfer im unteren Tsum-Tal doch häufig Toiletten aufweisen, findet man diese in Chejkumpar und wohl im gesamten oberen Tsum-Tal nur sehr spärlich. Auch sind viele Brunnen nicht in Betrieb – Hygiene allgemein ist einfach nicht großgeschrieben. Mit der Inbetriebnahme des Brunnens am Schulhof, dem zur Verfügung stellen von Seife und nur wenig Erklärung konnten wir feststellen, dass uns die Kinder sofort das Benützen der dort gebauten Toilette, das Händewaschen danach sowie vor dem Essen usw. nachmachten. Mit Aufklärung über Infektionen durch Verunreinigung des Trinkwassers oder einfach schmutziger Hände, dem Bau von Toiletten und Brunnen und Hygieneartikeln wie Seife oder Zahnbürsten könnte man sicher einige Wurm-und gastrointestinale, aber auch Wundinfektionen verhindern.

 

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  jungeEin frisch geschienter gebrochener Arm

 
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