Bericht von Chumba Lamas Reise - Reisedauer 11. Juni bis 7. Juli

Insgesamt konnten wir dank sehr großzügiger Unterstützung unserer Freunde und Familien bis Juli einige Spendengelder für Nepal sammeln. Davon hat Chumba sich einen Teil für seine erste Reise dieses Jahr nach Nepal überweisen lassen. Im Herbst will er wieder nach Nepal fliegen um weitere Hilfe zu bringen.

 

Vor Antritt seiner Reise nahm Chumba Kontakt nach Nepal zum Community Chief des Shree Lapu Village Development Committee auf, welchem auch „unser“ Dorf Hawadanra angehört. In Hawadanra hatten wir 2013 eine Wasserleitung gelegt. Diese Gegend liegt mitten in der Epizentrum-Zone des ersten starken Erdbebens in Nepal am 25. April 2015 und ist dabei vollkommen zerstört worden. Chumba fragte diesen Community Chief, was die Menschen dort im Moment am Dringendsten benötigen.

 

Als Chumba im Juni in Kathmandu ankam, erfuhr er von dem Community Chief, dass die Menschen in der Gegend von Hawadanra Mais und Reis haben sowie Planen gegen den Monsunregen, jedoch oftmals keine Kochtöpfe. Manche mussten deswegen schon ihren Mais und Reis roh essen.

 

Die Dörfer wollen dort erst Ende August, wenn der Monsun vorbei ist und das Erdbeben sich hoffentlich wieder beruhigt hat, mit dem Wiederaufbau ihrer Häuser beginnen. So war im Moment die größte Hilfe für diese Dorfgemeinschaft bestehend aus 9 Dörfern, je Familie einen Dampfdruckkochtopf zum Kochen zu bekommen.

 

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So wird im Himalaya gekocht.

 

Warum dies? Der Siedepunkt des Wassers liegt in Gebirgshöhen deutlich niedriger als auf normal null, das Wasser verdampft also bei Temperaturen unter 100 Grad Celsius (ab 3.000 Metern Höhe unter 90 Grad). Dadurch muss man im Himalaya unter normalen Bedingungen die Nahrung deutlich länger kochen um sie gar zu bekommen (es handelt sich um ein Mehrfaches der von uns gewohnten Kochzeit) – und das auf einfachen Holzfeuerchen und mit begrenzten Holzreserven. Ein Dampfdruckkochtopf ist deswegen überall im Himalaya die übliche und bestmögliche Art zu kochen. Dank des künstlich aufgebauten Drucks siedet das Wasser immer bei +120 Grad und dadurch wird das sonst sehr umständliche Garen deutlich beschleunigt.

Chumba kaufte für jede Familie ein Kochset bestehend aus einem Dampfdruckkochtopf (Schnellkochtopf), einer Dhal-Pfanne und einem Suppenlöffel. Dhal ist das traditionelle nepalesische Gericht aus Hülsenfrüchten.


So sieht es um Hawadanra aus:

 

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Hawadanra und umliegende Dörfer - Nahaufnahme: Zustand fast aller Häuser in den Dörfern

 

Topfsets für Shree Lapu Village Community

Da es in Zeiten, wo jeder leidet, natürlich sehr leicht zu Streitereien unter den Dörfern kommen kann, wenn eines mehr als die anderen bekommt, hat Chumba kurzerhand den Community Chief des Shree Lapu Village Development Committees, welchem auch Hawadanra angehört, um eine Auflistung der Familien aller Dörfer – insgesamt 9 Dörfer – gebeten. Dabei wurden 665 Familien registriert. So konnte Chumba entsprechend 665 Dampfdruckkochtöpfe sowie je eine Dhal-Pfanne und einen Suppenlöffel bei einem Großhändler in Gorkha einkaufen. Gorkha ist eine alte Königsstadt im Zentrum Nepals, welches nun auch schlimm unter dem Erdbeben gelitten hat. Chumba wollte bewusst in Gorkha einkaufen um den Handel vor Ort zu unterstützen.

Es handelt sich um hochwertige Topfsets mit einer Garantiezeit von 8 Jahren. So werden die Menschen lange Freude an diesen Töpfen haben. Ungefähr 3.000 Menschen werden von diesen Töpfen nun täglich großen Nutzen haben.

 

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Einkauf und Zählen der Dhal-Pfannen und Suppenlöffel in Gorkha

 

 

Diese Topfsets wurden zuerst mit Lastwagen transportiert, bis Chumba und seine Begleiter feststellen mussten, dass sie auf den schlechten Wegen bis zur Stadt Sothi nur mit einem Vierradantrieb weiter fahren konnten. So musste die Ware auf zwei Busse umverteilt werden. Die Transportkosten ließen sich die Fahrzeugbesitzer vergolden, weil geländegängige Fahrzeuge gerade natürlich überall gefragt sind.

 

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Umladung der Waren in einen Bus

Chumba beim Helfen

 

Ab Sothi gibt es keine befahrbaren Wege mehr. Die Menschen in den Dörfern wurden zuvor schon vom Dorfrat informiert, dass Chumba am 18. Juni da sein würde. So stiegen sie rechtzeitig die ein bis zwei Tage zu Fuß vom Himalaya hinab und campierten teilweise schon am vereinbarten Treffpunkt. Denn alle wollten am nächsten Morgen einen Topf und eine Pfanne bekommen.

 

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Warten, bis es Tag wird, und man nach gut zwei Monaten wieder einen Topf zum Kochen hat

 

Jeweils ein Dorf durfte sich nun anstellen um Töpfe zu bekommen. Für kranke oder verhinderte Familien durften Nachbarn oder Verwandte ein Set mit nach Hause nehmen. Die Verteilung fand streng nach den Namenslisten statt, welche zuvor von den jeweiligen Dorfräten aufgestellt worden waren und von ihnen auch kontrolliert wurden.

 

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Chumba (links) mit Dorfchef (rechts) beim Checken der Namens-Listen, um die Topfsets an die Familien zu verteilen

 

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Der Dorfchef und zwei Jungs bewachen die Waren.

Chumba verteilt die Topfsets.

 

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Frauen mit ihren Topfsets

Alter Mann auf dem Weg zurück in sein Dorf mit neuem Topfset

 

Solaranlagen für die Shree Lapu Village Community

Da sämtliche Stromaggregate, welche die Dorfgemeinschaften zusammen erworben hatten, bei dem Erdbeben vom Fluss davongetragen wurden, besorgte Chumba auch 8 kleine Solaranlagen. Diese reichen aus um zwei Glühbirnen am Abend zum Leuchten zu bringen. So brennen in 8 Dörfern nun wieder kleine Lichtlein. Ein Dorf hatte noch eigenen Strom, deswegen wurden nur 8 Solaranlagen benötigt.

 

Chumba berichtet, dass die Menschen auch des Nachts immer wieder in Panik ihre Häuser verlassen, wenn die Erde wieder einmal bebt. Die Verletzungsgefahr ist dabei sehr groß, weil es keinerlei Licht gibt und so alles stockdunkel ist und niemand eigentlich genau weiß, wohin er rennen soll.

 

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Dorfchef beim Kontrollieren der Solaranlage

Eine Frau trägt glücklich eine Solaranlage in ihr Dorf.

 

Nachdem die Töpfe und Solaranlagen verteilt waren, stieg Chumba mit den Dorfbewohnern hoch zu ihnen in die Dörfer um sich ein genaues Bild über die Lage vor Ort zu machen und den Menschen Mut zuzusprechen.

  • Dabei erlebte Chumba, dass es dort täglich noch ca. zwei Erdbeben der Stärke 2 – 5 gibt und Menschen bei Tag und bei Nacht regelmäßig in Panik aus den Dörfern rennen. Die Menschen sind durch diese dauerhafte Bedrohung von Gesundheit und Leben mittlerweile stark traumatisiert.
  • In den vier Tagen, in denen Chumba dort war, sind drei Menschen unmittelbar vor ihm an den Folgen des Erdbebens gestorben.
  • Kinder haben teilweise beide Eltern verloren.
  • In vielen Häusern gibt es Tote und Verletzte zu beklagen.
  • Die Menschen haben sich notdürftige Unterkünfte gegen den Monsun gebaut und warten darin, bis dieser Ende August vorüber ist. Erst dann können sie mit dem Wiederaufbau ihrer Häuser beginnen.
  • Verletzte werden teilweise bis zu vier Tage auf dem Rücken hinab ins Tal getragen, weil bisher noch keinerlei Hilfe nach dort oben gebracht wurde.


Hier ein kleiner Einblick, wie die Lage in den Dörfern ist:

 

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Dörfer werden teilweise komplett verlassen, wenn der Hang darüber droht herunter zu rutschen.

Der Besitzer dieses Hauses hat seine Frau und zwei Kinder verloren. Zusammen mit zwei anderen aus dem Dorf hat er sich diese Notunterkunft gezimmert.

 

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Diese Familie hat zwei Kinder verloren. Alles, was dieser Familie geblieben ist, ist auf dem Foto zu sehen.

Schutz vor dem Monsun

 

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Chumba zu Besuch bei einer Familie

Manche Familien haben fast nichts mehr. Wie das Leben wohl weiter geht?

 

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Chumba und sein Helfer Apey Lama übernachten bei einer Familie.

 

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Der Mais wächst gut.

… allerdings sind alle Reisterrassen gesprungen, sodass es dieses Jahr keine Reisernte geben wird.
Auf dem Bild ein Hang mit ausgetrockneten Reisterrassen

 

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Felsbrocken und Erdrutsche versperren den Zugang zu über hundert Dörfern hoch ins Tsum Tal, sodass Chumba nicht ins Tsum Tal hoch konnte. Dieser Felsen hier, auf dem Weg nach Hawadara, hat 3 Menschen unter sich begraben.

Die Menschen beginnen sich teilweise darum zu streiten, wem welche Steine für den Wiederaufbau ihrer Häuser gehören.

 

Hilfe für Tsum Valley Community in Kathmandu

Da der Weg hoch ins Tsum Tal bis heute völlig unpassierbar ist, hat Nyngma, welcher aus dem Tsum Tal kommt und in Kathmandu wohnt, jene Menschen aus dem Tsum bei sich aufgenommen, die zum Zeitpunkt des Erdbebens geschäftlich in Kathmandu waren. Die Menschen sitzen bis heute in Kathmandu fest und wissen nicht, wann sie zurückkommen. Auch haben sie nicht genügend Geld für das teure Stadtleben.

 

Chumba besuchte seine Landsleute in Kathmandu und gab der Gemeinschaft Geld, damit sie sich versorgen können, bis sie wieder in ihre zerstörte Heimat und zu ihren Familien zurückkehren können.

 

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Chumba beim Besuch der Tsum-Community in Kathmandu. Links neben ihm Nyngma

 

Hilfe für Sindu Palchowk Ditrict - Dholakar

Chumbas langjähriger Begleiter Purna, welcher ihm bei all unseren Projekten geholfen hat, bat nun darum, auch den Dörfern seiner Heimat Töpfe zu bringen. Die Gegend von Dholakar wurde bei dem zweiten starken Beben in Nepal komplett zerstört. So brachte Chumba mit Purna weitere 575 Töpfe nach Dading Village. Diesmal konnte Chumba durch eine glückliche Fügung insgesamt 575 Schnelldrucktöpfe (allerdings ohne Garantie) sehr günstig direkt in einer Fabrik in Katmandu erstehen.

 

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Chumba und Purna werden für ihre Hilfe geehrt.

Die Menschen warten auf ihre Töpfe.
Auf dem Bild ein Hang mit ausgetrockneten Reisterrassen

 

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Chumba gibt das erste Topfset aus
(unser„Buchhalter“ rechts im Bild)

… danach teilt Purna seinem Volk weiter Töpfe aus.

 

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Die Frauen freuen sich …

 

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Das große Warten auf das eigene Topfset (in der Mitte Apey Lama mit Chumbas Kamera)

Und nun geht es dann wieder den langen Weg nach Hause.

 

Chumba besuchte nach der Verteilung der Töpfe mit Purna auch dort Dading Village und die umliegenden Dörfer, um sich ein Bild über die Lage vor Ort zu machen und zu hören, was die Menschen ihm zu erzählen haben.

 

Ein paar Eindrücke aus der Gegend von Dading Village:

 

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Auch hier gab es starke Steinschläge und Erdrutsche.

Felsen hängen losgelöst teilweise sogar über den Dörfern.

 

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Auch hier sind ganze Dörfer zerstört und die Menschen stehen vor dem Nichts.

 

Hilfe für eine Sindu Palchowk Sherpa Community

Im Anschluss fragte ein Sherpa Chumba vorsichtig um Hilfe an. Sein gesamtes Dorf musste von der Grenze zu Tibet vorrübergehend nach Kathmandu umsiedeln, weil es zu gefährlich war in dieser Region zu bleiben. Das Dorf lag an einem abrutschgefährdeten Hang, weswegen man dort nicht mehr leben konnte. Gemeinsam legten die Dorfbewohner ihr Geld zusammen und mieteten sich eine stillgelegte Hühnerfarm in der Nähe von Kathmandu. Allerdings hatte die Dorfgemeinschaft nur genügend Geld für ein halbes Jahr Miete.

 

Wir spendeten der Gemeinschaft die Miete für weitere 6 Monate dort. So können sie dort hoffentlich wohnen, bis ihr Land wieder stabil und bewohnbar ist.

 

Hier ein paar Eindrücke aus diesem Sherpa Lager:

 

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Lager von innen

… und von außen

 

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Nassbereich

… jede Familie hat ihren Bereich.

 

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Der Schulunterricht findet weiterhin statt.

 

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Chumba wird dafür geehrt, dass er der Gemeinschaft eine Geldspende gibt.

Alle schauen dabei zu, sodass jeder weiß, wieviel Geld der Gemeinschaft zusteht und nicht einer daraus Profit für sich selbst ziehen kann.

 

Wasser für Swayambhu

Swayambhu ist ein Tempelkomplex, der im Westen von Kathmandu auf einem Hügel erbaut wurde. Er galt als eine der ältesten buddhistischen Tempelanlagen der Welt. Die inneren Bauten wurden auf ca. 2500 Jahre geschätzt. An und um diesen Tempelkomplex entstanden beim Erdbeben große Schäden. Im Moment versuchen die Bewohner dieses Weltkulturdenkmals gemeinsam in Eigeninitiative den Ort wieder zu renovieren und das Chaos zu beseitigen.

 

Chumba fragte die Mönche und Arbeiter in Swayambhu, wie er diese unterstützen kann. Sie sagten Chumba, dass es eine große Hilfe wäre, wenn er für alle Menschen dort einen Wasservorrat für 6 Monate kaufen würde, sodass die Arbeiter und Mönche Trink- und Waschwasser haben und dieses nicht von unten hoch tragen müssen.

 

Ein paar Eindrücke aus dem Swayambhu Tempel:

 

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In Eigeninitiative der Bewohner beginnt der Wiederaufbau der Klöster und Häuser auf dem Weltkulturdenkmal Swayambhu.

 

 

Was man wissen sollte: Die nepalesische Regierung lässt u.a. tonnenweise Hilfsgüter nicht ins Land…

 

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Kleiner Ausschnitt dessen, was seit Wochen auf seine Einfuhr nach Nepal am Flughafen wartet und zum Teil vergammelt

 

Wenn Sie gerne spenden möchten für NEPAL:

Chumba Lama wird im September 2015 wieder in seine Heimat Nepal fliegen, um erneut Hilfsgüter für diese tapferen Menschen dort zu organisieren.

Infinite Compassion e.V.
IBAN: DE38 6645 0050 0004 8725 62
BIC: SOLADES1OFG
Sparkasse Offenburg
WICHTIG Betreff: Chumba/Tsum Erdbeben

http://erdbebenhilfe.wiu-wiu.com

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Chumba gibt Topfsets aus.

 

 

 

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